Der zweite große Schritt

                                                                                                Neuer Bauplatz, Oktober 2018

Wir brauchten zwar sehr lange und es war nicht einfach – aber wir haben es geschafft. Seit 4 Tagen ist ein kleines Grüppchen von uns wieder in Rojava/der demokratischen Föderation Nordsyrien. Serkeftin!
Wir reden viel mit unserer Patnerin Weqfa Jina Azad Rojava – WJAR – Stiftung der freien Frau in Rojava und besuchen oft unseren neuen Bauplatz.

Er ist wunderbar für unser Projekt geeignet! Ein leerer Platz gesäumt von Wohnhäusern und einem großen zukünftigen Park, vieles noch im Bau, und viel freie Fläche, überall spielende Kinder und wenig Autos. Die unbefestigten Straßen sind belebt aber ruhig, die große Verkehrsstraße ist aber auch nicht weit. Wir fangen an ein paar Fotos zu machen, schon drängeln sich Kinder vor die Kamera, unsere Besichtigungstour wird auch nach wenigen Metern von interessierten Nachbar*innen unterbrochen. Auch die nächsten Tage kommen wir kaum dazu das Grundstück zu vermessen, weil einer Einladung zum Tee oder Kaffee nach wenigen Minuten die nächste folgt. Ablehnen gibts nicht – dann kommt der Tee auf einem Tablett zu uns. Die Nachbarschaft ist wunderbar – alle freuen sich über unseren Besuch, wollen uns unbedingt einladen und mehr darüber erfahren was wir hier vorhaben – warum wir den Platz vermessen und wann wir denn anfangen zu bauen. Am ersten Tag erregen wir sogar soviel Aufsehen, dass eine Patrouille der Asayîş anhält und uns skeptisch mustert. „Einmal Papiere bitte. Was macht ihr hier?“
Wir versuchen mit unserem gebrochenem Kurdisch zu erklären, die Nachbar*innen springen uns bei, wir zeigen unsere Einladung der Selbstverwaltung und die Asayîş geben uns lachend die Hand und verabschieden sich sehr freundlich. Ihre gelegentlich wiederkehrenden Patrouillen winken oder hupen um zu grüßen.

Am dritten Tag auf dem Baugrund schaffen wir es genügend Einladungen auszuschlagen um das Grundstück, die anliegenden Straßen und Gebäude zu vermessen und den Bauplatz und seine Umgebung mit Fotos zu dokumentieren. Wir werden das noch etwas detaillierter fortsetzen und uns in den nächsten Tagen mit dem lokalen Verband der Architekt_innen treffen. Auch ein Kontakt zu einer Baustoff-Importfirma wurde bereits geknüpft. Wir werden also weitere Gespräche führen und Vorbereitungen treffen, um für das neue Grundstück eine neue Entwurfsplanung zu beginnen und in Erfahrung zu bringen wie hier sonst so gebaut wird, wie Infrastrukturanschlüsse laufen und welche Materialien verfügbar sind.

Wir sind also guter Dinge und zuversichtlich große Fortschritte zu machen auf dem Weg zu einer kollektiven Baustelle für eine neue Poliklinik in Rojava.

Schwierigkeiten und Fortschritte einer Baustelle

Das Projekt avahî – solidarity construction Rojava existiert nun seit drei Jahren. Drei Jahre von der Idee internationalistische Solidarität praktisch werden zu lassen, bis zu der konkreten Bauplanung einer Poliklinik für Rojava in der Demokratischen Föderation Nordsyrien.

Mit der Gründung von avahî begann die Suche nach einer Kooperationspartnerin, welche wir in der Stiftung der Freien Frau in Rojava (WJAR) Ende 2015 gefunden haben. Mit den Frauen der Stiftung in Rojava und in Europa haben seitdem viele Kooperationsgespräche, Diskussionen und Planungen stattgefunden. Dabei ist Vertrauen gewachsen und Verbindungen zur kurdischen Bewegung, auch in Deutschland, wurden geknüpft.

Bei der Planung und Umsetzung der Baustelle legen wir auf drei Ansprüche besonderen Wert.

Kollektivität – Solidarität – Ökologie

Folglich planen wir den Bau kollektiv, in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung und der Bewegung, und wollen auch die Baustelle gemeinsam mit Menschen aus Rojava umsetzen. Der zweite Anspruch ist die Organisierung praktischer Solidarität, also ein durch Spendengelder finanzierter Bau, an dem die Aktivist*innen von Avahî unentgeltlich mitarbeiten und ihre Reisekosten selbst tragen. Dabei sehen wir Solidarität natürlich nicht als primär finanzielle Angelegenheit. Ein solidarisches Verhältnis zueinander bedeutet vor allem der Versuch Kämpfe gemeinsam zu führen, sich über Wünsche, Ideen und Ansprüche auszutauschen, gemeinsam neue zu entwickeln und sich auch mal zu kritisieren. So ist der Planungs- und Bauprozess auch eine Auseinandersetzung mit den Ideen des demokratischen Konföderalismus, sowie ein Lernfeld für die Entwicklung gemeinsamer internationalistischer Projekte und Kämpfe. Der dritte Anspruch ist eine ökologische Bauweise, bei der wir den traditionellen Baustoff Lehm integrieren werden, der regional verfügbar ist.

Innerhalb der Entwicklung des Projektes gab und gibt es viele Hürden zu überwinden, Pläne und organisatorische Belange werden an die sich ständig ändernden Gegebenheiten vor Ort angepasst. Auf Wunsch der Selbstverwaltung und in Anbetracht des Bedarfs der Menschen entwickelte sich so aus der Idee eines Gemeinschaftszentrums die Bauplanung für eine Poliklinik für Frauen und Kinder. Für diese Poliklinik haben wir bis Mitte August mit einem Bauplatz geplant, der nun aber kurzfristig geändert werden musste. Es sollte ein Rohbau, der vor dem Krieg als Moschee geplant war, zum Bau der Poliklinik genutzt werden. Dieser Plan wurde vom Eigentümer des Grundstücks, den Kommissionen für Religion und Gesundheit und der Stiftung der freien Frau Rojavas (WJAR) unterstützt. Allerdings gab es innerhalb der in der Region lebenden Menschen Uneinigkeit, ob ein für religiöse Nutzung vorgesehenes Gebäude, für andere Zwecke umgewidmet werden kann. Im August 2018 ist der Eigentümer des Grundstücks, der das Projekt immer befürwortet hatte, leider verstorben. Seine Söhne, als formale Erben des Grundstücks, sprachen sich dafür aus, doch die ursprünglich geplante Moschee zu bauen. Schließlich haben wir gemeinsam mit den Strukturen vor Ort entschieden, die Poliklinik auf einem anderen Grundstück der Gemeinde zu bauen. Für uns bedeutet diese Wendung eine erneute Planungs- und Bauzeichnungsphase, sowie eine weitere zeitliche Verschiebung der Kollektivbaustelle.

Dennoch ist diese Wendung Beweis für die Teilhabe aller Menschen in Rojava an der Selbstverwaltung, in jedem Schritt der Entscheidungsprozesse. Auch wenn sie unseren Bau verlangsamen, sollten gesellschaftliche Uneinigkeiten zu Eigentumsrechten und religiösen Gefühlen nicht übergangen werden. Schließlich wollen wir nicht bloß ein Haus bauen, sondern am Aufbau einer freien Gesellschaft mitwirken. Diese Konflikte sind Teil eines solidarischen Prozesses.

Die bisher größten Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben, sind nicht mit dem Wechsel des Baugrunds verknüpft, sondern resultieren aus der feindlichen Haltung regionaler und internationaler Akteure und Staaten gegenüber der Selbstverwaltung in Rojava. Die (Grenz-)Politik der Autonomen Region Südkurdistan (Nordirak), sowie die fortwährenden Angriffe der Türkei (Besetzung Afrins, Bombardements in Sengal und vielen weiteren Gebieten im Nordirak und Nordosten Syriens) erschweren eine Stabilisierung der Region seit Jahren enorm. Dies verhindert auch immer wieder unsere Einreise. Während die Kräfte der Selbstverteidigung große Fortschritte im Kampf gegen Daesch (dem sog. Islamischen Staat) machen und die zivilen Räte durch ein Vorantreiben der Selbstverwaltung, und den Wiederaufbau von Infrastruktur sowie Verhandlungen mit anderen lokalen und internationalen Akteuren, alles versuchen um die als sicherste Region Syriens geltende Demokratische Föderation weiter zu stabilisieren, versuchen unterschiedliche feindliche Akteure immer wieder, genau diese Erfolge zunichte zu machen. Dass es uns in drei Jahren erst einmal möglich war, für die Bauvorbereitung einzureisen, ist in diesem Kontext zu sehen. Trotz dessen werden wir erneut versuchen mit kleineren Gruppen einzureisen, um den Baubeginn zusammen mit der Stiftung zu organisieren. Außerdem wird die weitere Planung vor Ort und in Deutschland vorangetrieben und die Spendenkampagne, sowie Informationsveranstaltungen weitergeführt.

avahî ist als politisches Solidaritätsprojekt entstanden und wird durch die Unterstützung von vielen Freund*innen und Genoss*innen, sowie der unermüdlichen Arbeit vieler Aktivist*innen weiterhin einen Beitrag zum Kampf für eine freie Gesellschaft in Rojava und darüber hinaus leisten.

Delegationsreise Infoveranstaltungen Baubeginn 2018

Delegationsreise

Nachdem wir Ende Mai 2018 die erste Reise in die Demokratische Föderation Nordsyrien / Rojava gemacht haben, kann nun die Baustellen und Reiseplanung für dieses Jahr konkret werden.

Die Delegation besichtigte unseren Bauplatz.

Endlich konnte wir direkt vor Ort mit der Stiftung der freien Frau Rojavas, W.J.A.R über die Rahmenbedingungen und Wünsche zur Zusammenarbeit diskutieren.       Es ist ein großer Fortschritt zusammen zu diskutieren und gemeinsam eine Perspektive zu entwickeln.

Außerdem besuchte die Delegation viele andere Projekte, Strukturen der Selbstverwaltung und Gesundheitseinrichtungen. u.a. im Flüchtlingscamp Roj, eine Klinik in Kobane, das Gesundheitskommitee von Qamishlo, die Internationalistische Kommune und die dortige Baumschule, die Filmkommune von Rojava und das Frauendorf Jinwar.

Einen umfassenderen Reisebericht gibt es hier. Für weitere Infos könnt ihr uns auch auf Twitter folgen.

Informationsveranstaltungen

In Hamburg, Hannover und dem Fusion-Gelände haben bereits Veranstaltungen stattgefunden auf denen von der Delegationsreise und den Bauplanungen berichtet wurde.

12.07.2018 Nürnberg

19.30 Uhr – Stadtteilzentrum Desi  – Brückenstr. 23

20.07.2018 Berlin

19 Uhr – Aquarium – Skalitzer Str. 6 – Kotti

weitere Städte folgen…

Wenn ihr uns unterstützen oder in eure Stadt einladen wollt, schreibt uns eine Mail an: avahi[at]riseup.net    – Schlüssel hier oder auf dem Schlüsselserver

oder Spendet für die Baustelle.

Baubeginn 2018

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wir wollen den ersten Bauabschnitt der geplanten Poliklinik – eine einzelne Arztpraxis – noch dieses Jahr fertigstellen.

Mehr Infos zu unserem Bauvorhaben

Delegationsreise Mai 2018

Avahî-Reisebericht

Eine Poliklinik für die Demokratische Föderation Nordsyrien

Eine Delegation von avahî besuchte mehrere Projekte in Nordsyrien. Im Kanton Cizîrê wird bald ein Gesundheitszentrum von ihnen errichtet werden. Foto: avahî

Im Mai brachen wir kurzfristig zur ersten Baudelegationsreise nach Rojava auf. Kurzfristig und doch lange geplant. Seit über zwei Jahren bereiten wir den Bau eines Gesundheitszentrums für Rojava im Kanton Cizîrê vor – in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung der Freien Frau in Rojava (WJAR). Nun endlich saßen wir den Frauen direkt gegenüber, anstatt uns über Telefon, E-mails oder Videonachrichten auszutauschen. Bereits im letzten Jahr hätte eine Vorbereitungsgruppe als erste Delegation aufbrechen sollen, aber aufgrund der politischen Lage und der daraus resultierenden Grenzschließung in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak und des bevorstehenden Unabhängigkeitsreferendums mussten wir unsere Reisevorbereitungen abbrechen.

Nach einigen Tagen zähen Wartens an der Grenze, die von der Autonomieregierung im Irak kontrolliert wird, standen wir dann doch noch am Abend unserer Einreise auf dem Bauplatz. Diesen kannten wir bisher nur von Bildern. Der Rohbau, der nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt liegt, steht schon seit über zehn Jahren und wartet auf die Fertigstellung.

Mit den Frauen der Stiftung und zwei Architekten diskutierten wir während unseres Aufenthalts über die Zukunft des Bauprojekts und das Für und Wider der geplanten Stahlbeton-/Lehmbauweise. Es gab Bedenken gegen Lehm als Baumaterial. Er wird zwar traditionell seit tausenden von Jahren vor allem in den Dörfern zum Hausbau verwendet, aber er gilt heute oft als rückständig. Je nach Technik und Verarbeitung sowie Verwitterungsschutz muss bei traditionellen Lehmhäusern einmal im Jahr die Fassade überarbeitet werden, was eine regelmäßige Belastung der Bewohner*innen mit sich bringt. Durch das Erläutern der regionalen Bautechniken, der Wetterbedingungen und der Materialverfügbarkeit konnten wir unseren Blick erweitern.

Parallel zu den Vorbereitungen der Baustelle besuchten wir die verschiedenen Projekte der Stiftung. Wir fuhren zu mehreren Gesundheitszentren, die WJAR leitet. Dort wird vor allem Frauen eine kostenlose Grundversorgung zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter*innen von WJAR geben Frauengesundheitsseminare, Erste-Hilfe-Kurse u. v. m. Im Gesundheitszentrum von Serê Kaniyê werden auch Frauen für die Arbeit im Gesundheitsbereich ausgebildet. Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld ist die Arbeit in den zahlreichen Flüchtlingscamps, wie im Camp Roj und Camp Hol. Alle Frauen berichteten uns, dass es an Medikamenten und medizinischem Gerät für die Grundversorgung der Bevölkerung fehle. Rojava unterliegt nach wie vor quasi einem Embargo durch die Nachbarländer.

Trotz dieser Umstände arbeiten die Menschen, die wir kennenlernen durften, am Aufbau der basisdemokratischen Gesellschaft. Am Beispiel des Gesundheitsrates, von dem die Stiftung WJAR ein Teil ist, lernten wir die Rätestruktur der demokratischen Autonomie kennen. Wir trafen außerdem die Ko-Vorsitzenden der Stadtverwaltung von Qamişlo, eine Muslima und einen Christen. Lachend erzählten sie uns von einem Beschluss des schwedischen Parlaments, welches vor kurzem die Einführung einer 30-Prozent-Quote für Frauen beschlossen habe. »Schaut her, hier sind Frauen mit 50, 60 Prozent in den Räten und dem Vorsitz vertreten. Und uns wird vorgeworfen, wir seien rückständig!?«

Menschen aus verschiedensten Religionen und mit verschiedenem kulturellem Hintergrund organisieren sich hier gemeinsam in den Räten. Selbst die Nummernschilder sind dreisprachig, kurdisch, arabisch und aramäisch. Hinzu kommen Assyrer*innen, Christ*innen, einige wenige Jüd*innen und Êzîd*innen.

In den ersten Tagen trafen wir die Filmemacher aus der Filmkommune in Qamişlo. Vor Assad gab es in Syrien eine große Filmkultur, aber seit über 40 Jahren hat die Bevölkerung in bestimmten Teilen des Landes kaum mehr Kontakt mit Film, Kunst und Kultur. Die Filmkommune organisiert Filmvorführungen in den Stadtteilen, dreht aber auch eigene Filme. Ihr aktueller Film handelt von drei Frauen aus Şengal, Cizîrê und Kobanê. Gemeinsam diskutierten wir die Möglichkeit, das Bauprojekt filmisch zu begleiten.

Zwischen den vielen Besuchen und Ausflügen kamen wir immer wieder mit den Frauen der Stiftung zusammen. Wir übergaben einen Teil der Spendengelder, die wir für den Aufbau des Gesundheitszentrums gesammelt hatten, und sprachen darüber, welche Arbeiten zu Baubeginn im Herbst stattfinden werden. Im Herbst sollen in kleineren Gruppen Handwerker*innen aus Deutschland auf die Baustelle kommen und gemeinsam mit Freiwilligen aus dem Stadtteil den ersten Teil des Gesundheitszentrums bauen.

Nicht nur die verschiedenen Stationen unserer Reise zogen uns in den Bann, allein schon die Fahrt durch das flache weite Land faszinierte uns. Auf der vierstündigen Fahrt von Qamişlo nach Kobanê passierten wir Orte, die wir bisher aus der Berichterstattung über die Kämpfe gegen Daesch (IS) kannten. Al-Raqqa und Aleppo waren plötzlich keine 100 Kilometer mehr entfernt. Alle paar Kilometer und an den Kreuzungen waren Straßenkontrollen. Diese verhindern Angriffe auf die Menschen von Rojava. Immer wieder fehlten Teile der Straßen und Brücken, die durch Daesch beim Rückzug gesprengt worden waren und die nun notdürftig wieder repariert wurden.

Sehr wichtig war für uns der Besuch im Frauendorf Jinwar, wo Frauen seit etwa einem Jahr ein Dorf aufbauen, in dem später Frauen gemeinsam leben und arbeiten werden. Es wird den Frauen, die aus ihrem Leben als Haus- und Ehefrau ausbrechen wollen oder Betroffene von Gewalt geworden sind, eine Alternative bieten. In Jinwar erfuhren wir viel über die traditionelle Herstellung der Lehmziegel. In vielen Dörfern Rojavas wird mit Lehmziegeln und -putz gebaut. In Jinwar sind schon über 20 Häuser in dieser Bauweise entstanden. Die Frauen aus dem Aufbaukomitee berichteten ausführlich über die Herstellung der Lehmsteine, der roten und schwarzen Erde, die dabei eine wichtige Rolle spielt, und über weitere wichtige Baustoffe sowie deren Kosten und Beschaffungsaufwand. Jinwar ist für uns ein Ort, an dem wir viel lernen konnten.

In der Geburtsklinik von Heyvar Sor, dem Kurdischen Roten Halbmond, in Kobanê konnten wir den Einsatz von Lehm als modernen Baustoff analysieren. Nach der massiven Zerstörung der Stadt durch Daesch 2015 bauten Internationalist*innen das Krankenhaus auf. Seitdem werden dort im Monat über 300 Kinder geboren. Der Besuch in Kobanê war sehr berührend. Bisher hatten wir nur die Bilder der zu über 80 Prozent zerstörten Stadt im Kopf. Umso beeindruckender erschienen uns nun der Wiederaufbau und die Motivation der Menschen, weiter zu kämpfen. Vor uns stand eine Stadt, der man in weiten Teilen kaum ansieht, dass die Befreiung erst vier Jahre zurückliegt. Einige Häuserblocks wurden bewusst zerstört belassen, um zu mahnen und zu erinnern.

Bei dem Besuch des Friedhofs für die Gefallenen wurde uns ein weiteres Mal bewusst, wie viele Menschen für die Verteidigung der Freiheit ihr Leben gelassen haben. In jedem Dorf, in jedem Stadtteil, durch die wir bei unserer Reise kamen, erinnerten die Bilder der Gefallenen an die Verluste, die ein Kampf mit sich bringt. Aber sie zeigten uns auch, dass die Menschen für die Idee der demokratischen Autonomie, der Freiheit aller Menschen und des Aufbaus einer gerechten, solidarischen Gesellschaft sterben. Das Gedenken zeigt uns, dass dieser Kampf schmerzlich, aber erfolgreich sein kann.

Wir kehrten mit einem ersten Eindruck von der Stärke und dem Kampfgeist der Menschen Rojavas zurück nach Hause und sind mehr denn je überzeugt, dass wir unseren Teil für den Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung beitragen müssen.

Aktuelles

In den vergangen Wochen haben wir uns intensiv auf unsere Abreise in die Demokratischen Föderation Nordsyrien/ Rojava vorbereitet. Flüge gebucht, Besorgungen erledigt, Impfungen nachgeholt, letzte Absprachen getroffen, Verabschiedung von Familie und Freund*innen, Reorganisation unseres Alltags, um sich selbigen für mehrere Monate entziehen zu können.

Trotz anderer Ankündigungen und Hoffnungen sind wir nun noch immer nicht auf unserer seit langem geplanten Kollektiv-Baustelle der Poliklinik in Rojava angelangt.
Neben dem Kriegszustand und dem Terror islamistischer Banden ist es vor allem das von allen angrenzenden Staaten verhängte Embargo gegen Rojava, welches eine Einreise nur schwer möglich macht. Denn Embargo heißt im Falle von Rojava nicht nur Verhinderung der Aus- und Einfuhr von Handelsgütern, Nahrungsmitteln, Medikamenten oder Maschinen, sondern auch Verunmöglichung der Bewegungsfreiheit von Menschen.

Von Seiten der Türkei wurden bereits seit 2011, dem Beginn der Revolution in Rojava, Hilfslieferungen und Grenzübertritte von Kurd*innen, Flüchtenden und Aktivist*innen massiv blockiert. Seit Januar 2016 ist die rund 911 km lange Grenze zur Türkei komplett geschlossen. Versuchte Grenzübertritte werden mit Waffengewalt unterbunden. Mitte diesen Jahres wurde zudem eine 700 km lange Grenzmauer, ausgestattet mit Videokameras und Sensoren fertiggestellt. Im Süden wird der Zugang nach Rojava effektiv durch die Umstände des Krieges, durch den Terror des IS, aber auch durch das Assad-Regime verhindert. Besonders bitter ist, dass Rojava auch im Osten von dem von Barzani regierten autonomen kurdischen Gebiet im Irak (Kurdish Regional Government / KRG) mit einem de-facto Embargo belegt wurde. Während bis März 2016 ein einmaliger Grenzübertritt für Journalist*innen und Aktivist*innen über Semalka möglich war, ist dies seither nur noch in seltenen Ausnahmefällen eine Option. Für aus Rojava stammende Menschen und Flüchtende ist es momentan möglich die Grenze legal zu passieren, doch auch ihre Bewegungsfreiheit ist oft durch Schikane und Willkür seitens der Sicherheitskräfte geprägt.
Die strukturelle Isolation Rojavas hat hingegen zugenommen. Trotz der Politik der Beschränkung der Grenzübergänge waren noch andere Wege möglich, doch auch diese sind seit einigen Wochen verstärkt bedroht und unpassierbar. Für uns gibt es momentan keine Zusage wann wir die Grenze überqueren können. Es wird vermutet, dass die Verschärfung der Grenzpolitik mit der aktuell angespannten Lage im Nordirak, aufgrund des Unabhängigkeitsreferendums, in Verbindung steht.
Wir werden die weitere Entwicklung der Grenzsituation aufmerksam verfolgen und planen den Beginn der Bauphase nun nach Abschluss der Regenzeit in Rojava im Frühjahr 2018. Bis dahin sehen wir die Zwangspausierung des Baubeginns als Chance unser Projekt hier noch besser vorzubereiten, weiterzuentwickeln und bekannter zu machen.

Bijî Berxwedana Rojava!

https://isku.blackblogs.org/4691/pdk-verhindert-pyd-delegierten-einreise-nach-rojava/

Liebe Freund*innen und Unterstützer*innen

für unsere Kollektivbaustelle in Rojava brauchen wir eure Unterstützung. Essentiell für unser Projekt ist der Support durch eine breite zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit. Wenn ihr euch als Einzelpersonen, Gruppen oder Initiativen mit unserem Vorhaben solidarisch zeigen wollt unterschreibt hier. Unterzeichnende werden als Unterstützer*innen auf unserer Homepage aufgeführt.

Unterschreiben

Vorbereitungstreffen

Das letzte Wochenende haben wir gemeinsam das zweite Vorbereitungstreffen für die Kollektivbaustelle der Poliklinik durchgeführt.
Zwei Tage haben wir über unterschiedliche Themen diskutiert. Wie wollen wir die kollektive Baustelle organisieren, was braucht es um kollektiv zu Leben, wie kann Weiterbildung und der Austausch von Wissen realisiert werden, welches Bauvolumen ist machbar und in welchem Zeitrahmen, was werden die Bauphasen sein und was sind andere für das Projekt essentielle Bereiche?
Die unterschiedlichen Schwerpunkte welche sich in der vergangenen zweijährigen Planungsphase entwickelt haben, konnten auf viele Schultern verteilt werden, so dass ein kollektives Gefüge entsteht. Sowohl im Plenum als auch im gemeinschaftlichen Zusammenleben haben sich die Grundideen des Projekt manifestiert. Alle Menschen haben sich auf unterschiedlichen Ebenen eingebracht und sich in die Planung eingearbeitet.
Der Wunsch welcher sich über die Zeit der Projektentwicklung ergab, eine gemischt geschlechtliche Gruppe zu bilden, konnte realisiert werden.
Wir danken allen die es Möglich gemacht haben, dass wir an diesem Punkt der Planung angelangt sind. Vor allem danken wir allen Spender*innen und all jenen die das Projekt avahi in unterschiedlicher weise unterstützt haben. Wir freuen uns WJAR (Stiftung der Freien Frau Rojava) in den letzten Jahren als Kooperationspartnerin und Freundin gefunden zu haben. Wir haben eine Idee entwickelt um gemeinsam voran zu schreiten um für eine solidarisches Miteinander einzustehen.

Vorbereitungstreffen

Das letzte Wochenende haben wir gemeinsam das zweite Vorbereitungstreffen für die Kollektivbaustelle der Poliklinik durchgeführt.
Zwei Tage haben wir über unterschiedliche Themen diskutiert. Wie wollen wir die kollektive Baustelle organisieren, was braucht es um kollektiv zu Leben, wie kann Weiterbildung und der Austausch von Wissen realisiert werden, welches Bauvolumen ist machbar und in welchem Zeitrahmen, was werden die Bauphasen sein und was sind andere für das Projekt essentielle Bereiche?
Die unterschiedlichen Schwerpunkte welche sich in der vergangenen zweijährigen Planungsphase entwickelt haben, konnten auf viele Schultern verteilt werden, so dass ein kollektives Gefüge entsteht. Sowohl im Plenum als auch im gemeinschaftlichen Zusammenleben haben sich die Grundideen des Projekt manifestiert. Alle Menschen haben sich auf unterschiedlichen Ebenen eingebracht und sich in die Planung eingearbeitet.
Der Wunsch welcher sich über die Zeit der Projektentwicklung ergab, eine gemischt geschlechtliche Gruppe zu bilden, konnte realisiert werden.
Wir danken allen die es Möglich gemacht haben, dass wir an diesem Punkt der Planung angelangt sind. Vor allem danken wir allen Spender*innen und all jenen die das Projekt avahi in unterschiedlicher weise unterstützt haben. Wir freuen uns WJAR (Stiftung der Freien Frau Rojava) in den letzten Jahren als Kooperationspartnerin und Freundin gefunden zu haben. Wir haben eine Idee entwickelt um gemeinsam voran zu schreiten um für eine solidarisches Miteinander einzustehen.

Why #NoFlyZone4Rojava?


When the Syrian people rose against the regime, the most basic demands were highly legitimate demands, such as freedom and respect for human rights. However, with the intervention of the regional and international powers to the Syrian revolution, these demands and objectives were diverted from their main aim. With the radical groups, Syria has been dragged into a civil war, with violence based on the rapidly developing military background.

Continue reading

Why #NoFlyZone4Rojava?


When the Syrian people rose against the regime, the most basic demands were highly legitimate demands, such as freedom and respect for human rights. However, with the intervention of the regional and international powers to the Syrian revolution, these demands and objectives were diverted from their main aim. With the radical groups, Syria has been dragged into a civil war, with violence based on the rapidly developing military background.

Continue reading