Serkeftin! Es ist geschafft! Der Bau des Gesundheitszentrums ist abgeschlossen!

Eingang GesundheitszentrumDer Bau unseres Gesundheitszentrums für Frauen und Kinder in Qamişlo in der demokratischen Föderation Nordost Syrien/Rojava ist abgeschlossen. Unsere Projektpartnerin die Stiftung der freien Frau in Syrien (WJAS ehemals WJAR) kümmert sich aktuell noch um die Inneneinrichtung und die Anstellung von Personal. Geplant ist das Gesundheitszentrum möglichst bald mit zunächst 7 Mitarbeiter*innen zu eröffnen und kostenfreie medizinische Behandlungen für Frauen und Kinder anzubieten. Einen konkreten Eröffnungstermin werden wir sobald er feststeht veröffentlichen.

Vielen Dank an alle Unterstützer*innen und Spender*innen!

Als avahî 2016 gegründet wurde hatte sicherlich niemand damit gerechnet, dass es so lange dauern würde bis endlich ein Gebäude steht. Wir wollten selber bauen, d.h. mit vielen Baugruppen aus Deutschland anreisen. 2018 gelang es uns zwar zweimal Delegationsreisen nach Rojava zur Bauvorbereitung zu organisieren, doch letztlich mussten wir uns eingestehen, dass die Situation vor Ort und die Möglichkeiten der Einreise nicht verlässlich genug planbar sind, um Baugruppen mit festen Terminen auf die Reise zu schicken. Und so begann die Stiftung der freien Frau im Frühjahr 2019 mit lokalen Arbeiter*innen den Bau. Doch auch danach gab es immer wieder große Probleme und lange erzwungene Pausen beim Bau. Der Angriffskrieg der Türkei und die Besatzung von benachbarten Gebieten seit Oktober 2019, Corona, Inflation und Verteuerung der Baustoffe vor Ort, geschlossene Grenzen, Embargo und viele weitere Probleme haben immer wieder zu Verzögerungen im Bauablauf geführt und uns nochmal verdeutlicht: Wir bauen in einem Kriegsgebiet.

Doch trotz all dieser Schwierigkeiten, die das Projekt immer mehr in die Länge zogen, habt ihr uns und die mutigen Frauen in Qamişlo immer weiter unterstützt. Dafür wollen wir uns an dieser Stelle nochmal sehr herzlich bei allen Unterstützer*innen und Spender*innen bedanken. Wir haben gesagt: „Solidarität muss praktisch werden“ – Doch ohne euch wäre das niemals möglich gewesen. Dank euch wird das neue Gesundheitszentrum eine Verbesserung der medizinischen Versorgung für Frauen und Kinder in Qamişlo, eine materielle Stärkung der revolutionären Frauenbewegung in Nordost-Syrien, eine Ausbildungsstätte und Einkommensmöglichkeit für Frauen und nicht zuletzt ein Symbol praktischer internationalistischer Solidarität.

Etwas über 103.000 € kamen dafür bis jetzt zusammen. 80.000 davon sind für den Bau bisher ausgegeben worden. Der Rest wird nun für Inneneinrichtung und medizinische Geräte an die Stiftung übergeben.

Wer noch nicht genug vom Spenden hat, kann uns bzw. die Stiftung gerne weiter bei der Ausstattung/Inneneinrichtung unterstützen. Medizinisches Equipment und Medikamente sind echt teuer und Luft nach oben bei Behandlungsmöglichkeiten und medizinischer Ausstattung gibt es eigentlich immer!

Ihr könnt also gerne weiter für das Gesundheitszentrum in Qamişlo spenden:

SPENDENKONTO:
Kurdistan Hilfe e.V.
IBAN: DE40200505501049222704
Stichwort: construction

Oder allgemein für die Arbeit der Stiftung der freien Frau in Syrien (wjas.org):
Gleiches Konto anderer Betreff:

Stichwort: Frauenstiftung

Die Stiftung der freien Frau wird außerdem bald eine allgemeinere Kampagne für die Sicherstellung von Gehältern ihrer Mitarbeiter*innen starten. Denn die wirtschaftliche Situation und Inflation verschlechtern die Möglichkeiten der Finanzierung vor Ort und gleichzeitig sind die Mitarbeiter*innen immer mehr auf ihr Einkommen angewiesen um sich und ihre Familien zu ernähren und ihre Unabhängigkeit als Frauen sicherzustellen.

Doch nun erst mal hoch die Tassen, liebe Freund*innen. Wir und ihr und die Frauen in Qamişlo haben es geschafft – Der Bau ist fertig!

Besuch bei WJAS und auf der Baustelle

Heute ist endlich mein Besuch bei WJAS/WJAR– der Stiftung der freien Frau in Syrien/Rojava- und der Baustelle des neuen Gesundheitszentrums in Qamislo zustande gekommen. Ich habe bereits im November 2019 vor meiner Abreise nach Rojava Kontakt zu den Freund*innen von Avahî aufgenommen, die mir von ihrer Arbeit erzählt haben.

Seit über zwei Jahren bereitet Avahî den Bau eines Gesundheitszentrums für Rojava im Kanton Cizîrê vor – in enger Zusammenarbeit mit derStiftung der freien Frau in Syrien/Rojava (WJAS/WJAR). Avahî ist ein Baukollektiv, dessen ursprüngliche Idee es war, mit den Menschen aus Rojava gemeinsam Bauprojekte zu planen und dann in großen Gruppen kollektiv nach Rojava zu reisen und gemeinsam zu bauen.

2018 konnten 2 Delegationsreisen (Mai 2018 & Oktober 2018) stattfinden, um den Bau vorzubereiten. Doch aufgrund der strengen Einreisebeschränkungen und Auflagen seitens der irakischen Seite der Grenze, die von der KRG- autonomen Region Kurdistan kontrolliert wird, konnten keine weiteren Delegationen realisiert werden. Die Willkür und Unplanbarkeit des Grenzübertritts machten einen strukturierten Bauablauf unmöglich. So musste der Plan geändert werden, der nun von lokalen Arbeiter*innen umgesetzt wird. Denn ein zügiger Baubeginn für das dringend benötigte Gesundheitszentrum erschien wichtiger als die Umsetzung des ursprünglichen Plans einer kollektiven Baustelle mit vielen internationalistischen Freund*innen. (Projektverlauf bis Baubeginn)

Im August 2019 begann der Bau dann endlich- doch aufgrund des Angriffskriegs der Türkei ab Oktober mussten die Bauarbeiten nach kurzer Zeit wieder unterbrochen werden. Die türkische Militärinvasion und Besatzung, das totale Embargo seitens der Türkei, Behinderungen von Lieferungen seitens Damaskus und der KRG, die Schließung der Grenzen legten dem Bauprojekt erhebliche Steine in den Weg. Dazu kam die Corona Krise, die seit März 2020 zu zusätzlichen Einschränkungen (Ausgangssperre, Grenzschließung) geführt hat.

Seit April wird aber wieder auf der Baustelle gearbeitet und es konnte bereits der Rohbau fertiggestellt werden. Nun geht es um den Innenausbau, Fenster, Türen sowie die Wasserversorgung, die durch einen eigenen Brunnen und Tanks auf dem Dach sichergestellt werden soll.

Henna, eine der Leiterinnen der WJAS

Henna, eine der Leiterinnen der WJAS

Wir werden im Zentrum von WJAS von Henna, einer der beiden Leiterinnen der Stiftung, herzlich begrüßt. Die Stiftung wurde 2014 als unabhängige und gemeinnützige Organisation von und für Frauen gegründet. Sie fokussiert auf Stärkung und Unterstützung von Frauen in Nordost Syrien auf wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer, gesundheitlicher und kultureller Ebene und durch Bildung. Dabei macht sie keinen Unterschied, ob es sich um Frauen kurdischer, arabischer, assyrischer, jesidischer, turkmenischer oder anderer Abstammung handelt. Die WJAS arbeitet nach dem Motto, „Die freie Frau ist die Basis einer freien Gesellschaft!“. Kürzlich hat sie ihren Namen dementsprechend geändert von WJAR = Stiftung der Freien Frau in Rojava – zu WJAS = Stiftung der Freien Frau in Syrien, um damit auch die arabischen, assyrischen und turkmenischen Frauen aus allen Gebieten unter Verwaltung der Autonomen Administration mit einzubeziehen.

Aktuell realisiert die Stiftung diverse Projekte für Frauen und Kinder in verschiedenen Kommunen Rojavas: Qamislo, Hasekeh, Derik, Kobane – weitere Projekte in den überwiegend arabischen Gegenden Al Raqqa, Tabqa und Deir-a-zor sind geplant oder werden gerade aufgebaut. Besonders im Fokus steht dabei die Arbeit in Camps. Hena erklärt: „Uns ist die Arbeit in den Camps deshalb besonders wichtig, weil hier die Menschen zusammenkommen die alles verloren haben. Tausende Menschen wurden durch Krieg und Besatzung vertrieben, ihre Häuser wurden zerstört, ihre Familien ermordet. In den Camps gibt es keine Arbeit, wenig Beschäftigung, wenig Hoffnung und es fehlt an grundlegender Versorgung. Ein Fokus liegt auf der medizinsichen Versorgung durch mobile Kliniken und Gesundheitszentren.“

Um den Bedürfnissen der Frauen gerecht zu werden und gezielt auf ihre Situation zuzuschneiden, gehen die Frauen von WJAS von Zelt zu Zelt und sprechen mit den Familien. So können sie Kontakte knüpfen, ihre Angebote bekannt machen und sich genau auf die Situation der Menschen einstellen. Dies ist besonders notwendig in Camps, in denen auch ehemalige IS-Anhänger*innen untergebracht sind. Anfangs, berichtet sie, wurde ihnen auch feindlich begegnet und die Frauen haben Steine auf ihre Einrichtung geworfen. Durch viele Gespräche, Offenheit und Aufklärungsarbeit konnte diese Feindlichkeit überbrückt werden und die meisten ihrer Angebote werden sehr dankbar angenommen. Die Angebote beschränken sich aber nicht auf gesundheitliche Themen. Auch Bildung ist ein wichtiger Pfeiler der Arbeit von WJAS. Schulen für Kinder aber auch Angebote für Erwachsenenbildung, Sprachen (Arabisch, Kurdisch, Englisch), Handarbeitskurse und viel mehr wird angeboten, um die Frauen zu entlasten und zu stärken und ihnen eine Perspektive zu bieten.

Ein weiteres Projekt sind die mobilen Kliniken. Zwei Fahrzeuge inklusive Innenausbau sind bereits finanziert und stehen bereit. Nun fehlt es noch an Medikamenten und medizinischen Geräten und Material. Diesbezüglich hat die Stiftung mit großen Problemen zu kämpfen. Das KRG lässt momentan kaum medizinische Materialien oder Medikamente über die Grenze, die Türkei hat alle Lieferungen gestoppt und auch der Weg über Damaskus ist derzeit geblockt. Seitens der WHO ist mit wenig Support zu rechnen, vor allem nicht was Projekte betrifft, die direkt durch die Selbstverwaltung und sympathisierende Strukturen realisiert werden. Das Sammeln von Spenden, der Einkauf und dann die Logistik, um die grundlegende medizinische Ausstattung der mobilen Klinik zu ermöglichen, wäre in Europa eine schnelle und einfache Angelegenheit. Hier ist sie äußert schwierig, Kraft- und Nervenaufreibend. Aber die Frauen von der Stiftung lassen sich davon nicht abschrecken. Sie planen sogar noch größer: für ganz Nordost Syrien, vor allem aber in den arabischen Gegenden, in denen die Gesundheitsversorgung am lückenhaftesten ist, soll es mobile Kliniken geben!

Şîrin, eine WJAS-Mitarbeiterin auf der Baustelle

Şîrin, eine WJAS-Mitarbeiterin auf der Baustelle

Şîrin, eine Mitarbeiterin im Gesundheitsbereich, fährt mit uns zur Baustelle des Gesundheitszentrums. Das Zentrum ist deswegen so wichtig, weil das öffentliche zivile Krankenhaus Qamislos auf der Seite des Regimes gelandet ist und nicht zur öffentlichen Gesundheitsversorgung der Selbstverwaltung genutzt werden kann. Es gibt private Klinken und spezielle Einrichtungen, aber ein generelles Gesundheitszentrum, in dem eine Basis-Versorgung mit Fokus auf Frauen und Kindern kostenlos angeboten wird, gibt es derzeit nicht und wird dringend benötigt.

Sie strahlt, während sie uns durch die Räume des Rohbaus führt, vorbei an Zementhaufen, Backsteinen, Schubkarren. „Dies hier ist der Raum für Entbindungen. Hier werden nur natürliche Geburten betreut und keine Kaiserschnitte gemacht. Auch das ist ein wichtiges Thema hier, zu dem es Aufklärungskampagnen und Bildungen gibt.“ erklärt Şîrin, „Hier wird die Notaufnahme und Versorgung von Notfällen stattfinden. Das ist das Zimmer für die Kinderärztin und das für Allgemeinmedizin.“

Das medizinische Personal des Zentrums wird weiblich sein. Das ist besonders wichtig, da sich das Angebot an Frauen und Kinder richtet. Deren besonderen Bedürfnissen wird im Gesundheitsbereich oft wenig Aufmerksamkeit geschenkt und gerade bei sensiblen Themen ist eine gute Behandlung nur möglich, wenn eine vertrauensvolle Basis zwischen Patientinnen und dem Team des Zentrums besteht. Eine weitere Besonderheit des Gesundheitszentrums ist die eigene Wasserversorgung. Es wird einen Brunnen mit Wasserpumpe geben, die die Wassertanks des Gebäudes füllt, so dass eine Wasserversorgung auch gewährleistet werden kann, wenn es – wie in letzter Zeit gehäuft – durch türkische Angriffe zu Wasserausfällen kommt.

Die Wassertanks zur Sicherung der Versorgung

Die Wassertanks zur Sicherung der Versorgung

Man kann Şîrin deutlich die Begeisterung für das geplante Gesundheitszentrum ansehen. Sie würde selbst gerne hier arbeiten- da sie Spezialistin für die Koordination der Gesundheitsprojekte ist, wird sie aber vorerst weiter im Aufbau neuer Projekte eingesetzt werden.

Wir sind gespannt, wann das Zentrum seine Türen für die ersten Patientinnen öffnen kann und hoffen dabei sein zu können! Gerade jetzt in Zeiten der andauernden Sorge um einen möglichen Corona-Ausbruch, des Embargos und der Inflation sowie der militärischer Bedrohung durch die Türkei und ihre Proxies ist die Sicherstellung einer medizinischer Grundversorgung insbesondere für Frauen und Kinder wichtiger den je.

Evin Azad

Wenn ihr das Projekt unterstützen wollt, findet ihr hier mehr Infos:

Bauprojekt Gesundheitszentrum

Und hier könnt ihr spenden:

Spendenadresse

Corona in Rojava – Unsere Antwort ist Solidarität

Weltweit wird versucht die Corona-Pandemie einzudämmen. Dies führt mitunter zu katastrophalen Versorgungslagen breiter Bevölkerungsteile. Wie in allen sozialen und ökonomischen Krisen trifft es die ärmsten Schichten der Bevölkerung am härtsten. Viele Menschen haben keine finanziellen Rücklagen und ohne Einkommen auch keinen Zugang zu Grundnahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Hinzu kommt die Gefahr einer Infektion mit dem Corona-Virus.

Auch in Nord-Ost-Syrien wurde das gesellschaftliche Leben stark reduziert. Die Selbstverwaltung setzt all ihre Energie zur Eindämmung des Virus ein. Mit einer breiten Aufklärungskampagne wurde die Bevölkerung in die Lage versetzt selbstorganisierte Schutzmaßnahmen zu ergreifen. So werden z.B. Masken von der Bevölkerung selbst produziert und auch Beatmungsgeräte wurden bereits gebaut. Trotz der beschränkten Möglichkeiten, wurde schnell und effektiv zum Schutz der Menschen gehandelt.

Im Zuge dessen stand auch unsere Baustelle für das neue Gesundheitszentrum in Qamişlo erneut eine Weile still. Nun hat unsere Projektpartnerin, die Stiftung der Freien Frau in Syrien „WJAS“ mit den Gremien der Selbstverwaltung eine Ausnahmegenehmigung für eine schnelle Wiederaufnahme der Bauarbeiten, unter Einhaltung gesundheitlicher Schutzmaßnahmen, vereinbart. Denn der Bedarf an medizinischer Versorgung ist gestiegen und Einrichtungen wie das Gesundheitszentrum werden dringend gebraucht.

Corona in Rojava / Nord-Ost-Syrien

Eine Ausbreitung des Corona-Virus in Nordsyrien würde schwerwiegende Folgen haben. Die Region ist von internationaler Hilfe faktisch abgekoppelt. Sie beherbergt Flüchtlingslager mit insgesamt 1,5 Millionen Menschen, die vor dem Islamischen Staat, dem syrischen Regime und der türkischen Besatzung in Nordsyrien fliehen mussten. Durch den lange anhaltenden Krieg leidet ein Großteil der Menschen unter Folgekrankheiten, die sie zu Risikopatient*innen machen.

Gleichzeitig fehlen in Rojava grundlegende medizinische Schutzausrüstung, Medikamente zur Behandlung von Infizierten sowie Beatmungs- und Sauerstoffgeräte. Es fehlt auch an sterilem Material für Abstriche, Testkits zur schnellen Identifikation von Fällen und Zugang zu Testlaboren. Proben müssen nach Damaskus geschickt werden und eine zeitnahe Mitteilung der Ergebnisse ist nicht gewährleistet. Am 16. April hat das WHO-Büro in Kairo den ersten Covid-19-Fall in der autonomen Region Nordostsyrien öffentlich gemacht – zwei Wochen nachdem das syrische Gesundheitsministerium und das WHO-Büro in Damaskus Kenntnis davon hatten. Ein gesundheitspolitischer Skandal, denn so wurde die Unterbrechung der Infektionskette verhindert und die Ausbreitung des Corona-Virus in Nordostsyrien leichtfertig in Kauf genommen.

Der Vorsitzende der Gesundheitsbehörde von Nord- und Ostsyrien Ciwan Mistefa berichtet, dass das syrische Gesundheitsministerium die Zusammenarbeit mit den Behörden der Selbstverwaltung ablehnt: “Auch die WHO wird nicht in der Region aktiv, weil die Selbstverwaltung offiziell nicht anerkannt ist. Lediglich einige wenige NGO‘s arbeiten direkt mit der Selbstverwaltung zusammen”.

Die Autonomieverwaltung in Nord- und Ostsyrien hat zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um eine Verbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Bereits Ende Februar schloss die Selbstverwaltung den Grenzübergang Semalka zur autonomen Region Kurdistan im Nordirak und andere Grenzübergänge für den Personenverkehr. In der Region wurde eine weitgehende Ausgangssperre verhängt. Schulen und Universitäten wurden geschlossen und öffentliche Veranstaltungen wie zum Beispiel das Newrozfest wurden verboten. Auf den Märkten und in den Einkaufsstraßen ist es merklich ruhiger geworden. Nun machen sich die ökonomischen Folgen langsam bemerkbar. So wissen z.B. viele Menschen nicht, wie sie ihre Familien ernähren sollen, wenn sie keinen Handel treiben und ihrer Arbeit nicht nachgehen können. Der Handel mit Waren ist die Einkommensquelle eines breiten Bevölkerungsteils.

Vor allem für die ärmere Gesellschaftsschicht, die schon vorher unter den ökonomischen und gesundheitlichen Folgen des Krieges litt, ist diese weitere Verschlechterung der Lage existenzbedrohend. Die Selbstverwaltungsstrukturen der Kommunen tun ihr Bestes die Bevölkerung u.a. mit Nahrungsmittelpaketen oder kostenfreier Strom- und Wasserversorgung zu unterstützen.

Währenddessen verschärft die Türkei ihren Krieg gegen die Selbstverwaltung. Der UN-Generalsekretär António Guterres rief angesichts der Pandemie zu einem weltweiten Waffenstillstand auf. Diesem Aufruf sind die QSD/SDF (Demokratische Selbstverteidigungskräfte) gefolgt. Die Häufigkeit, der Umfang und die Intensität der Besatzungsangriffe türkischer Truppen und jihadistischer Verbündeter gegen das nord- und ostsyrische Autonomiegebiet haben sich in den letzten Wochen jedoch sogar weiter erhöht.

Außerdem hat die Türkei mehrfach das Wasserwerk Elok nahe des von ihr besetzten Gebiets bei Sere Kani (arabisch: Ras al Ain) außer Betrieb gesetzt und die Region um die Stadt Heseke von der Wasserversorgung abgeschnitten. Seitdem haben über eine halbe Million Menschen keinen oder nur begrenzt Zugang zu Wasser. Die Blockade der Wasserzufuhr betrifft unter anderem auch das zur Corona-Notfallklinik umfunktionierte Hauptkrankenhaus in Heseke, das Camp der IS-Angehörigen Al-Hol und Gefängnisse mit IS-Gefangenen in der Region. 

Wir rufen nun in diesen Zeiten noch einmal besonders dazu auf, gegen die Kriegstreiberei aktiv zu bleiben und die lokalen Selbstverwaltungsstrukturen von Rojava und Nordostsyrien zu unterstützen. Im Aufruf von Kongreya Star, dem Dachverband der kurdischen Frauenbewegung, heißt es:

Wir als Frauen müssen eine entscheidende Rolle übernehmen uns selbst zu verteidigen und nicht zuzulassen, dass diese Pandemie dazu genutzt wird, die Gesellschaft weiter zu zerstören, uns noch mehr Gewalt zuzufügen oder ein System fortzusetzen, das zur Vernichtung des Planeten führt. (…) Denn das Corona-Virus zeigt uns einmal mehr, dass es keine andere nachhaltige Alternative gibt als eine Gesellschaft, die demokratische Prozesse in den Mittelpunkt der Entscheidungsfindung stellt.“

Unsere Projektpartnerin, WJAS – Die Stiftung der freien Frau in Syrien, arbeitet seit Jahren zusammen mit den Gesundheitsräten und den jeweiligen lokalen Gesundheitskommissionen daran, eine dezentrale und kostenlose Gesundheitsversorgung zu organisieren. In Städten, Dörfern und vielen Flüchtlingslagern fördert die Stiftung Gesundheitszentren, -beratung sowie Ausbildung und Gesundheitskampagnen. Bald werden auch erste mobile Kliniken eingesetzt, um medizinische Behandlung und Bildung für die schlecht angebundene, ländliche Bevölkerung anbieten zu können. Ziel ist überall eine kostenlose Versorgung von Frauen und Kindern zu garantieren.

Die Frauenstiftung WJAS hat eine aktuelle Erklärung zur Situation und ihrer Arbeit veröffentlicht.

Solidarität muss praktisch werden!

Wir haben unser erstes großes Spendenziel von 80.000 € zur Finanzierung des Rohbaus erreicht!

Dafür wollen wir an dieser Stelle allen Spender*innen danken. Wir bedanken uns für das Vertrauen in unsere Arbeit sowie das Teilen unseres Grundverständnisses. Eine wirkliche solidarische Unterstützung kann nicht in Form klassischer humanitärer Hilfsarbeit von außen, sondern nur gemeinsam mit den betroffenen Menschen organisiert werden. Durch die aktivistische Arbeit bei Avahî und WJAS fließen eure Spenden zu 100 Prozent in die Aufbauarbeiten vor Ort.

Unser nächster Schritt ist der Innenausbau des Gesundheitszentrums und im Anschluss die Ausstattung mit medizinischem Gerät und Medikamenten. Um dies zu finanzieren brauchen wir dringend weitere Spenden. Denn unsere Freund*innen in Rojava stehen vor riesigen Herausforderungen.

Die Besatzung und der Krieg durch die Türkei, das Embargo und der neue Beschluss der UNO, dass alle Hilfslieferungen nur über syrisch oder türkisch kontrollierte Grenzübergänge transportiert werden, verschärfen die Eingriffe der Türkei und des Assad Regimes in der Region. Aktuell gibt es massive Preissteigerungen für alles, das nicht selbst produziert werden kann. Insbesondere medizinische Ausstattung und Geräte, die schon lange schwer zu kaufen waren, sind Mangelware und exorbitant teuer. Dies alles übersteigt die lokalen Ressourcen, weshalb wir um weitere Spenden bitten.

Kurdistan Hilfe e.V.
IBAN: DE40200505501049222704
Stichwort: construction

Die Kurdistan-Hilfe e.V. ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Spenden sind steuerlich absetzbar. Für eine Spendenquittung bitte die Adresse bei der Überweisung mit angeben.

Quellen / Weiterlesen:
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Unterstütz den Aufbau des Gesundheitszentrums für Frauen und Kinder in Qamişlo

Fundament und Träger stehen schon – Hilf mit bei der Fertigstellung des neuen Gesundheitszentrums für Frauen und Kinder

Unterstütz den Aufbau des Gesundheitszentrums für Frauen und Kinder in Qamişlo

Avahi ist ein Zusammenschluss von Menschen verschiedener Professionen mit dem Ziel den Aufbau der Selbstverwaltung und die Frauenrevolution in Rojava zu unterstützen. Zusammen mit WJAR, der Stiftung der freien Frau in Rojava bauen wir ein neues Gesundheitszentrum für Frauen und Kinder im Stadtteil Qanat Swes in Qamişlo.

Der Bau wurde im August dieses Jahre begonnen und musste im Oktober aufgrund der völkerrechtswidrigen und faschistischen Angriffe der Türkei und ihrer djihadistischen Verbündeten auf die Menschen in Nordostsyrien unterbrochen werden. Bisher sind unsere Freund*innen wohlauf, trotz Bombardierungen und Anschlägen auch in ihrer unmittelbaren Nähe. Seit Ende November wird wieder gebaut und wir rechnen damit, dass wir im Frühjahr 2020 eröffnen können.

Das Gesundheitszentrum wird dringend benötigt
Qamişlo ist eine Stadt von 250.000 Einwohner*innen. Der Stadtteil Qanat Swes wurde unter Assads Regime benachteiligt und ist besonders stark von Armut betroffen. Die Bevölkerung hat die demokratische Revolution von Beginn an unterstützt. Viele haben bei der Verteidigung gegen den IS Angehörige verloren.

Das bedeutet, neben dem schmerzlichen Verlust, für viele Frauen und Kinder oftmals auch noch größere Armut. Da die Gesundheitsversorgung großteils in privater Hand ist und die Selbstverwaltung nur schrittweise kostenlose Versorgung aufbauen kann, können sich viele Familien den Arztbesuch nicht leisten. Wir werden mit dem Bau des Gesundheitszentrums einen lokalen kostenfreien Zugang zu Gesundheitsversorgung für Frauen und Kinder ermöglichen. Zudem bringt das Gesundheitszentrum als Frauen-Kooperative Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze. WJAR trägt damit dazu bei die männliche Dominanz und das Wissensmonopol im Gesundheitssystem zu durchbrechen. Gleichzeitig schaffen sich Frauen einen Zugang zu materiellen Ressourcen und wandeln aktiv die Rollenverteilung in der Gesellschaft.


Hintergrund: Aufbau eines alternativen Gesundheitssystems

Seit das Baath/Assadregime 2012 aus dem Nordosten Syriens vertrieben werden konnte, baut die Bevölkerung eine basisdemokratische Selbstverwaltung auf. Der Anspruch und die Praxis dieses Aufbauprozesses bezieht alle gesellschaftlichen Gruppen mit ein und ist damit ein Akt der Selbstermächtigung gegen patriarchale, kolonialistische und staatliche Unterdrückung. Alle Bereiche und Aspekte des gesellschaftlichen Lebens werden von diesem Prozess erfasst. Read more…


Avahi – Projektverlauf

Wir arbeiten seit 4 Jahren mit WJAR, der Stiftung der freien Frau in Rojava zusammen. Unsere ursprüngliche Projektidee bedeutete gemeinsames diskutieren und planen, um dann in großen Gruppen aus Deutschland nach Qamişlo zu reisen und dort in Etappen kollektiv zu bauen. Wir haben umfangreiche Bauplanungen gemacht und im Jahr 2018 sind zwei Delegationen nach Rojava gefahren, um den Bau vorzubereiten. Doch der einzig offizielle Grenzübergang nach Nordostsyrien ist auf irakischer Seite in Händen der KDP-Regierung der autonomen Region Kurdistan. Diese kooperiert mit der Türkei, in deren ökonomischer Abhängigkeit sie steht. Da wir uns, im Gegensatz zu vielen NGOs, politisch positionieren, wurden wir immer wieder blockiert.

Im Projektverlauf mussten wir deshalb feststellen, dass die Genehmigungen zum Grenzübertritt nicht planbar sind. Neben zwei geglückten Delegationen haben sich drei weitere Gruppen vorbereitet um nach Rojava zu fahren. Wir haben unsere privaten, politischen und beruflichen Verpflichtungen und Pläne hinten angestellt und einige haben ihre Wohnungen untervermietet und ihre Jobs gekündigt. Die Willkür des Grenzübertritts und seine Unplanbarkeit führten zu erheblichen Schwierigkeiten. Um einen reibungslosen Bauablauf mit Übergabe von Verantwortung von einer Baugruppe zur nächsten zu gewährleisten, bräuchten wir verlässliche und berechenbare Zeitpläne. Deshalb war es uns nicht möglich das Projekt im ursprünglich geplanten Sinne durchzuführen. Doch wir haben zusammen mit WJAR entschieden, dass der unverzügliche Baubeginn wichtiger ist, als die Beibehaltung unseres Plans einer kollektiven Baustelle mit vielen internationalistischen Freund*innen.

Nun haben die Angriffe der faschistischen Türkei und ihre Unterstützung aus Deutschland und der NATO dazu geführt, dass der Bau des dringend benötigten Gesundheitszentrums erneut verzögert wurde. Doch wir werden genauso wenig aufgeben, wie unsere Freund*innen in Rojava und Nordostsyrien jemals aufgeben. Deshalb freuen wir uns sehr, dass jetzt schnell weiter gebaut werden kann.

Verantwortung übernehmen

Unsere Kooperation mit den mutigen Frauen von WJAR wird fortbestehen, das Sammeln gemeinsamer Erfahrungen stärkt unsere Kämpfe. Nur zusammen werden wir, allen Hindernissen zum Trotz, das geteilte Ziel einer freien, selbstorganisierten Gesellschaft auf der Basis der Freiheit der Frauen erreichen. In diesen schweren Zeiten rufen wir alle dazu auf ihr Engagement zur Verteidigung der Errungenschaften der Frauen in Nordostsyrien zu verstärken. Durch langfristige, anpassungsfähige Zusammenarbeit kann internationalistische Solidarität praktisch werden.

Wir haben zwischen Oktober 2019 und Januar 2020 mehr als 33.000 € nach Qamişlo geschickt, insgesamt wurden damit bisher über 80.000 € übergeben.

Wenn wir nicht selbst bauen können, dann bringen wir unsere Arbeitskraft anders ein. Helft auch ihr, indem ihr einen Arbeitstag spendet und mit euren Kolleg*innen und Freund*innen über das revolutionäre Gesellschaftsmodell in Nordostsyrien sprecht. Werdet Bau-Pate*in und beteiligt euch am Widerstand von #womendefendrojava und #riseup4rojava.

Spendenkonto:
Kurdistan Hilfe e.V.
IBAN: DE40200505501049222704
Stichwort: construction

Lasst uns nicht zusehen wie unsere Freund*innen erpresst, vertrieben, bombardiert und ermordet werden!

Die Revolution in Rojava bewegt uns auf der ganzen Welt, lasst sie uns auch auf der ganzen Welt verteidigen!

Demo am 02.11.2019 in Berlin

Demo am 02.11.2019 in Berlin

Wir hängen an unsere Erklärung noch ein Video von Mitarbeiterinnen des WJAR Gesundheitszentrums in Serê Kaniyê sowie Auszüge aus dem kämpferischen Aufruf von WJAR von Mitte Oktober an:

direkt bei open.tube anschauen

„Aufgrund der aktuellen Situation mussten wir einige unserer Arbeiten umstellen. Wir konzentrieren uns stärker auf die Unterstützung der von der Grenze geflüchteten Menschen, indem wir Zelte aufbauen und sie mit Hilfsmitteln versorgen. Wir haben die Kinder von Kesûsorê Alan (Waisenhaus in Kobane) in sicheres Gebiet gebracht. Gleichzeitig steigern sich täglich die Sorgen um alle die anderen Kinder und Familien, die sich in der Nähe der Grenze aufhalten. Menschen, die lieber ihr Leben aufs Spiel setzen, als ihre Heimat zu verlassen und diese den jihadistischen Milizen und dem türkischen Staat zu überlassen. Wo es möglich ist, halten wir die Gesundheitszentren geöffnet. Die Kursangebote in den Städten an der Grenze wurden vorerst eingestellt. Neben den Bombardierungen der Türkei werden für unsere Arbeiten zunehmend auch die Anschläge der sich reorganisierenden IS-Gruppen zu einer Bedrohung. So hat die Explosion in Qamişlo am 11. Oktober 2019 in unmittelbarer Nähe einer Stiftungsmitarbeiterin stattgefunden.

Dennoch sehen wir es als unsere Aufgabe, die Arbeiten weiterzuführen und sogar auszuweiten. Die Menschen wollen ihre Heimat nicht verlassen, fühlen sich aber nahe der Grenze nicht mehr sicher. Nach Angaben der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien sind derzeit knapp 200.000 Menschen auf der Flucht. Sie brauchen materielle und medizinische Unterstützung. Die Zahl der flüchtenden Menschen steigt täglich, ebenso ihre Not. So wie in den letzten Jahren auch, ist die staatliche internationale politische Unterstützung marginal. Die humanitäre Hilfe reicht nicht aus.

[Doch] Friedensarbeit ist möglich! Wie die Selbstverwaltung bewiesen hat und auch wir bei unseren Arbeiten in den Flüchtlingscamps Hol und Roj feststellen konnten, ist trotz der großen Herausforderungen für Campleitung und Sicherheitskräfte eine Friedensarbeit möglich gewesen, wenn sie denn auf Dauer gewollt gewesen wäre. Europa kann sich nun damit auseinandersetzen, welche Wirkung die Unterstützung einer Türkei hat, die darauf abzielt die IS-Gefangenen freizusetzen und den dschihadistischen Terror wiederzubeleben.

Wir müssen uns fragen, in welcher Welt wollen wir leben? Die Nato-Staaten sind in einer Sache konsequent: Wozu sollten sie humanitäre Hilfe leisten, wenn sie sich dem aggressivsten Kriegstreiber der Region mehr verbunden fühlen, als den Menschen und den demokratischen Bewegungen in der Region.

Aus diesen Gründen setzten wir als Frauenstiftung von Anfang an auf die Verbundenheit der Menschen in Europa mit dem Aufbruch der Frauen in Rojava/ Nord- und Ostsyrien. Denn die Frauen haben bewiesen, dass sie mit ihrem Willen – und sei der Feind noch so brutal und hochgerüstet – ihre Heimat in einen Ort des Friedens, der Gleichberechtigung und der Solidarität verwandeln können. Dies gilt nicht nur für Rojava.

Unsere Projekte zielen vor allem darauf ab, Frauen und Kinder in der Bewältigung der Folgen von Krieg und Flucht zu unterstützen, die strukturelle Gewalt gegen Frauen abzubauen und das soziale Leben von Frauen zu stärken. Gerade die Frauen in den Flüchtlingscamps konnten mit nur wenig Unterstützung unsererseits ihre Situation deutlich verbessern. Es gilt Möglichkeiten für Frauen zu schaffen, sich in den Umgestaltungsprozess der Gesellschaft aktiv einzubringen. Zahlreiche Frauen, die sich in unseren Projekten engagieren, waren vorher als Hausfrau und Mutter tätig, sollten als Mädchen oder junge Frauen verheiratet werden, sind geschieden oder verwitwet.

Die Frauen in Nordsyrien haben je nach kulturellem Hintergrund mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wir sehen unsere Arbeit als eine nachhaltige Friedensarbeit, die der Völkerverständigung dient und zur Stärkung der gesamten Gesellschaft beiträgt. Alle Projektbereiche werden zwei- bis dreisprachig für Frauen und Kinder organisiert: Die kommunale Gesundheitsarbeit, Gesundheitskampagnen, Gesundheitszentren, Kooperativen, sozialpsychologische Beratung, Handwerks- und Berufsausbildung, das Waisenhaus Alan‘s Rainbow, Kindergärten, Arbeiten in den Flüchtlingslagern (u.a. Hol und Roj), das Frauendorf Jinwar, uvm.

Aufgrund der Kriegshandlungen sind wir gezwungen die Arbeitsschwerpunkte nach den aktuellen Ereignissen zu gestalten, d.h. Flüchtlinge zu versorgen und Nothilfe zu leisten. Wo es möglich ist, erhalten wir unsere Versorgungsangebote und die Arbeiten in den geförderten Projekten aufrecht. Derweil engagieren wir uns aktiv in der Kampagne #womendefendrojava, da wir überzeugt sind, dass wir gemeinsam einen Frieden realisieren können!

Wir bitten zur Unterstützung unserer Arbeiten mit Flüchtlingen und Nothilfemaßnahmen um Spenden!


Spendenkonto:

Kurdistan Hilfe e.V.
IBAN: DE40 2005 0550 1049 2227 04
Stichwort: WJAR

Wir rufen alle Freundinnen, Freunde und Förderer dazu auf sich an den Kampagnen #womendefendrojava und #riseup4rojava zu beteiligen und sich mit uns gegen diesen Krieg und für die Realisierung der Forderungen der Kampagne zu engagieren!“

Das Jahr 2019 geht zu Ende. Ein Aufruf an alle solidarischen Menschen.

Liebe Freund*innen und Genoss*innen, 

das Jahr 2019 geht zu Ende.

In diesem Jahr haben die rückständigen Kräfte dieser Welt dazu beigetragen, sie wieder ein Stück weit lebensfeindlicher zu machen.

Gleichzeitig waren es auch 12 Monate, in denen wir gemeinsam der Ohnmacht getrotzt und uns mit aller Kraft der gewaltvollen nationalistischen und patriarchalen Hegemonie widersetzt haben. Es waren Monate, in denen wir einander und der Welt gezeigt haben, dass Solidarität für uns kein leeres Wort, sondern eine gemeinsame Perspektive und Kraft bedeutet.

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Verstärken wir unsere Unterstützung für die Menschen in Rojava und verteidigen wir gemeinsam die Errungenschaften der feministischen und egalitären Selbstverwaltung!

STELLUNGNAHME ZUR AKTUELLEN SITUATION

Seit dem 9. Oktober werden Nordostsyrien und Rojava von der türkischen Armee und ihren dschihadistischen Verbündeten angegriffen. Wohngebiete werden ebenso bombardiert wie zivile Infrastruktur, Krankenhäuser, Einrichtungen der Wasserversorgung und Bäckereien. Es sind gezielte Angriffe um die Bevölkerung zu vertreiben. Sie gehen einher mit Massakern und grausamen Hinrichtungen. Außerdem wurden hunderte IS-Kämpfer aus Gefängnissen befreit um die dschihadistischen Kräfte zu stärken. 
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Die schweren Kriegsverbrechen, die mit dem völkerrechtswidrigen Angriff der Türkei einhergehen, geschehen unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Der türkische Präsident Erdogan erklärt seine genozidalen Absichten ganz offen. Die lokale kurdische Bevölkerung, sowie christliche, jesidische, alevitische und andere einheimische Minderheiten, die dort seit langem friedlich zusammen leben, sollen ermordet oder vertrieben werden. In den eroberten Gebieten sollen dann die Familien der Dschihadisten und Geflüchtete aus ganz anderen Teilen Syriens angesiedelt werden. Dieser Plan Erdogans wird durch den EU-Türkei Geflüchtetendeal bestärkt. Was einmal mehr zeigt welchen menschenverachtenden Character die EU Politik gegen Flüchtende annimmt.

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Es geht weiter…

… auf der Baustelle für das Gesundheitszentrum in Qamislo.

  • Die Arbeitskräfte sind weiterhin fleißig im Einsatz:
  • Die Fundamente sind schon fertig und die Schalungen für die erste Schicht der Wände bereits mit Beton gefüllt: Weiterlesen

Helf mit ein neues Gesundheitszentrum in Qamişlo aufzubauen!

Baufortschritte in Qamişlo

Unsere Baustelle in Qamişlo kommt gut voran. Wir wollen nun alle Hebel in Bewegung setzen und mit euch gemeinsam, das nötige und mögliche tun, um die Finanzierung des Projektes von hier aus zu stemmen. Mit eurer Unterstützung sichern wir den weiteren Baufortschritt!

Lasst uns Arbeitstage spenden!

Wenn wir unsere Arbeit nicht vor Ort einbringen können, dann tun wir das hier, denn auch die Arbeiter*innen in Rojava wollen für ihre Arbeit entlohnt werden! Egal ob du alleine, im Kollektiv mit in paar Kolleginnen, ob Festgehalt, Ehrenamtspauschale oder Trinkgeldkasse – der Lohn für einen Tag Arbeit ermöglicht wichtige Arbeiten in Qamislo!

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Nun wird endlich gebaut!

Seit mehr als drei Jahren wollen wir mit dem Projekt avahî – solidarity construction Rojava und unserer Kooperationspartnerin, der Stiftung der freien Frau in Rojava (WJAR) eine Poliklinik in der Demokratischen Föderation Nordsyrien bauen. Nun wird endlich gebaut! Wenn auch anders als wir lange Zeit dachten. Doch eins nach dem anderen…

Hintergrund: Der Aufbau eines alternativen Gesundheitssystems als Teil der Revolution in Nord- und Ostsyrien

Seit das Baath/Assadregime 2012 aus dem Nordosten Syriens vertrieben werden konnte, baut die Bevölkerung eine basisdemokratische Selbstverwaltung auf. Der Anspruch und die Praxis dieses Aufbauprozesses bezieht alle gesellschaftlichen Gruppen mit ein und ist damit ein Akt der Selbstermächtigung gegen patriarchale, kolonialistische und staatliche Unterdrückung. Alle Bereiche und Aspekte des gesellschaftlichen Lebens werden von diesem Prozess erfasst.

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  • Wer sind wir?

Avahi ist ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen beruflichen, regionalen und politischen Kontexten, die das Ziel teilen das basisdemokratische Gesellschaftsmodell in Nordostsyrien praktisch zu unterstützen. Wir arbeiten mit WJAR, der Stiftung der freien Frau Rojavas zusammen, welche Kindergärten, Vorschulen, Gesundheitszentren und Bildungseinrichtungen sowie Kooperativen für Frauen in Nordostsyrien aufbaut. Wir bauen zusammen ein neues Gesundheitszentrum für Frauen und Kinder.

  • Wo soll das Projekt durchgeführt werden?

Qamislo ist eine Stadt von 250.000 Einwohner*innen, die seit Beginn der Revolution 2012 aktiv die basisdemokratische Gesellschaft aufgebaut und verteidigt haben. Viele haben dabei Familienangehörige verloren.

Der Stadtteil Qanat Swes wurde unter Assads Regime infrastrukturell benachteiligt und ist durch die Folgen des Krieges besonders stark von Armut betroffen. Trotz des großen Einzugsgebiets durch umliegende Dörfer, gibt es für die Menschen dort bisher keinen adäquaten Zugang zu Gesundheitsversorgung.

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